Im Unterholz, Foto: Martin Hülle
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Ein Hauch von Winterwald

Bereits Ende letzten Jahres hatte ich einige Tageswanderungen unternommen, um mich auf den Cape Wrath Trail vorzubereiten. Schließlich möchte ich im Frühjahr „Britain’s toughest trail“ einigermaßen fit in Angriff nehmen. Nachdem in dieser Woche ein wenig Schnee vom Himmel gefallen war, machte ich mich erneut auf, trat aus der Haustüre und lief los, eine weitere Runde zu drehen. Die leicht gezuckerte Landschaft und Temperaturen um den Gefrierpunkt versprachen einen Hauch von Winterwald.

„Die leicht gezuckerte Landschaft und Temperaturen um den Gefrierpunkt versprachen einen Hauch von Winterwald.“

Einmal Rüggeberg und zurück war mein Plan. Eine Strecke, die ich schon oft gelaufen bin und deren Länge einen guten Anhaltspunkt gibt, wie es um die Kondition bestellt ist – irgendwas jenseits der 40 Kilometer mögen es sein. Keine Kleinigkeit also, aber auch nichts Außergewöhnliches. Um 8:45 Uhr machte ich mich auf den Weg. Erstmal runter nach Oberbarmen und hinauf zum Ehrenberg. Dem Muffelwild im dortigen Gehege schenkte ich nur einen kurzen Blick aus den Augenwinkeln. Geschwind ließ ich die zugige, baumfreie Höhenlage hinter mir und stieg auf der anderen Seite umgehend wieder steil hinab in schützendes Waldgebiet. Nach 1,5 Stunden packte ich zum ersten Mal meine Leckereien aus und genoss die erste Rast des Tages.

Weiter ging es entlang der Wupper nach Beyenburg und zur Spreeler Mühle. Bis auf wenige vereiste, rutschige Stellen war alles gut zu gehen und ich kam zügig voran. Die stille Winterlandschaft umgab mich, in die sich kaum jemand zu verirren schien. Außer einem Reh, dass aufgeschreckt im Unterholz verschwand.

Winterwald, Foto: Martin Hülle

An der Heilenbecker Talsperre blickte ich über das spiegelglatte Wasser. Wohl wissend, noch nicht einmal die Hälfte hinter mir zu haben.  Daher zog ich bald weiter, erreichte Rüggeberg und folgte breiten Forstwegen. Die Sonne durchbrach hier und da das Geäst, es wurde wärmer und ich musste die Handschuhe abstreifen. Ein Schweißfilm begann, meinen Körper zu überziehen. Das stramme Marschieren brachte mich ganz schön auf Touren.

Zum Glück blieb der Boden gefroren. Die hier mancherorts oft matschigen Passagen waren so zwar holprig und ermüdend zu begehen aber weniger nass als sonst. Doch langsam machte sich erste Müdigkeit in meinen Gliedern breit. Eine Weile noch ging ich stoisch immer weiter, bis ich mich hinter der Klinik Königsfeld, wo die Beine immer schwerer wurden, auf eine Bank plumpsen ließ und nach Flüssigkeit lechzte. Die trockene Luft hatte meine Kehle ausgetrocknet, aber ich war gut versorgt und hatte zwei Liter Tee im Rucksack. Apfel sowie spritzige Minze-Zitrone und dazu leckere Knäckebrot-Sandwiches gegen den Hunger.

Tee und Knäckebrot, Foto: Martin Hülle

Ein Stückchen später kam ich am einst abgebrannten „Meiers am Kühlchen“ vorbei. Weiterhin hatte ich ein gutes Stück vor mir. Ich schlug mich querfeldein durchs Gebüsch und lief über schmale Pfade, wo mir umgestürzte Bäume den Weg versperren wollten. Ein wenig Kraxelei hielt mich allerdings nicht davon ab, den Kreis zu schließen und wieder den Ehrenberg zu erreichen, den ich zu guter Letzt ein zweites Mal überqueren musste. Oben auf dem Kopf machte ich eine abschließende Pause. Verschlang ein paar Becher Tee,  Kekse und einen Kinderriegel.

Auf dem Ehrenberg, Foto: Martin Hülle

Erneut vorbei am Wildgehege, wo nun kein Tier mehr zu sehen war, machte sich das Tageslicht daran, kitschig der Dämmerung zu weichen. Feuerrot sank der Sonnenball herab, verschwand fluks hinter Bäumen und Hügeln und es galt nur noch, zurück nach Hause zu kommen. Um 18:15 Uhr – nach 9 Stunden und 30 Minuten – hatte ich es geschafft.

Von früh bis spät unterwegs zu sein, ist immer wieder eine Freude. Selbst dann, wenn die Länge der Wanderung irgendwann zehrt, ist es ein Genuss, auf Schritt und Tritt die Natur zu genießen.

Martin Hülle

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