Am Brezelweg, Foto: Martin Hülle
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Alles würde besser gehen, wenn man mehr ginge

Es ist eine große Herausforderung. Im kommenden Frühjahr möchte ich den Cape Wrath Trail wandern – auch bekannt als „Britain’s toughest trail“. Eine 370 Kilometer lange Strecke von Fort William bis zum Cape Wrath, der nordwestlichsten Ecke Schottlands. Um den rauen Weg durch Morar, Knoydart, Torridon und Assynt so genussvoll wie möglich zu bestehen, habe ich mir ein kleines Trainingsprogramm zurechtgelegt, zu dem auch mehrere Tagestouren gehören, die mich rechtzeitig in Schwung bringen sollen. Getreu dem Motto Johann Gottfried Seumes, wonach alles ohnehin besser gehen würde, wenn man mehr ginge …

„Ich bin der Meinung, dass alles besser gehen würde, wenn man mehr ginge.“ (Johann Gottfried Seume)

Die erste Runde führte mich Ende November von der Haustüre durch den Nordpark, am alten und neuen Hatzfelder Wassertum vorbei Richtung Deilbachtal und zum Bergerhof. Von dort ging es durch den Hilgenpütt heimwärts und nach guten fünf Stunden war ich zurück. Die Lärchen im Herbstwald leuchteten golden und es war ein schöner Anfang, nun häufiger auf Schusters Rappen unterwegs zu sein.

Lärchenwald, Foto: Martin Hülle

Als nächste Trainingswanderung nahm ich mir den Rundweg um Schwelm zur Brust, den ich auch schon häufiger gelaufen bin. Ich war fix unterwegs, marschierte flott am ehemaligen Rittergut Haus Martfeld vorbei, genoss das Auf und Ab über den Ehrenberg und kam entlang zahlreicher Bäche bereits immer besser in Fahrt.

Am Rundweg um Schwelm, Foto: Martin Hülle

Mitte Dezember war dann die Elfringhauser Schweiz mein Ziel. Zwischen Wuppertal, Hattingen und Velbert gelegen, wartet die Hügelkette mit zahlreichen Wanderwegen und einer abwechslungsreichen Landschaft auf. Auch wenn die höchsten Erhebungen selten die 300 Meter-Marke überschreiten, trägt sie den Namen Schweiz nicht umsonst. Denn man sollte diese Buckel nicht unterschätzen: Häufig sind sie recht steil!

Gegen halb Neun lief ich am Morgen los. Zur Fahrentrappe und mal wieder hoch zum Bergerhof. Der Wald war verschneit – zum ersten Mal kam eine winterliche Stimmung auf. Doch leider fiel auf dem Weg ins Felderbachtal kein weiterer Schnee, den der Wetterbericht zuvor angekündigt hatte. Schade, so begnügte ich mich mit der kühlen Luft und zog weiter meinen Kreis – hinüber ins Deilbachtal, an Schmahl am Schmalen vorbei und zurück gen Heimat.

Kurz nach Drei zeigte die Uhr, als ich wieder Zuhause ankam und meinen Rucksack abstellen konnte. Die heutige Strecke hatte mich etwas geschafft – rutschig waren die Pfade und anstrengend die Schritte.

Gregory Zulu 40, Foto: Martin Hülle

Gestern dann lockte der Brezelweg rund um Burg mit seinen zahlreichen Rampen, die den Puls in die Höhe treiben. Bei zwei Grad über Null fing ich an zu schwitzen und keuchte über die Höhen. Aber es war herrlich! Wolkenverhangen der Winterwald, die Sicht eingeschränkt und ich fast ganz allein mit der Natur. Von den Bäumen tropfte es, die Wege waren allerorts extrem matschig und meine Hose rasch völlig verdreckt

Doch schließlich war am Solinger Tierheim die Brücke über die Wupper gesperrt. Mmh, was nun? Ein alternativer Übergang lag mir zu weit entfernt und den Fluss zu durchwaten, wäre etwas Abenteuer zu viel gewesen. Also entschloss ich mich zu einer kleinen Kletterpartie vorbei an den Absperrungen, übers Geländer und an fehlenden Holzplanken entlang balancierend, um so auf die im Mittelteil noch nutzbare Brücke zu gelangen. Auf der anderen Seite dann das gleiche Spiel. Rutschig von der feuchten Luft die Stahlträger und Pfeiler.

Aber so war sie genau richtig – meine vierte Wandertour für den Cape Wrath Trail im nächsten Jahr – und ich sprang vor Freude in die Luft.

Martin Hülle

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