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Mountainbikeparadies Tirol

10 Juli 2010 Kein Kommentar
- Es läuft, Foto: Martin Böhm -

- Es läuft, Foto: Martin Böhm -

Nur schwer lassen sich die Augenlieder öffnen, zu gemütlich ist es doch um 7 Uhr in einem Bett! Aber das idyllische Kuhglockengeläut passt einfach gar nicht zu dem in den Tiefen des Bewusstseins  verankerten üblichen schrillen Weckergebimmel. Was ist los? Ach ja: Fahrrad und Berge stehen auf dem Programm. Deshalb liege ich hier im österreichischen Lermoos im Hotel und direkt neben dem Schlafzimmerfenster befindet sich standesgemäß eine Herde Kühe. Der Blick zur Zugspitze ist noch etwas wolkenverhangen, aber der Wetterbericht verspricht Sonne. Dem Tourismusverband zufolge soll es hier Mountainbikestrecken der Weltklasse geben. Das werde ich nun in den nächsten Tagen mit mehreren Radlern genauer überprüfen! Wir werden von den insgesamt 1000 km des Bike Trail Tirol die Karwendeletappe von Ehrwald bis zum Achensee unter die Reifen nehmen. Vorbei an der Ehrwalder Alm, Scharnitz, dem Karwendelhaus und Plumsjoch.

360° Naturkino

Fix wird der Fahrradrucksack gepackt, im stylischen Hotel ein Riesenfrühstück verspachtelt und dann gehts ab auf das Mountainbike. Vorbei an neugierigen Eseln führt die Strecke nach einigen Metern gemütlichen Einrollens auf Schotterstraßen, direkt in den ersten Anstieg. Mit jedem Höhenmeter wird auch das Wetter besser. Oben auf der Alm scheint die Sonne, weder durch Wolken oder Bäume gehindert, zwischen den Lüftungsschlitzen des Radhelms auf den ohnehin schon stark erhitzten Kopf. Ein atemberaubendes Bergpanorama läuft als 360° Naturkino um uns herum. Das langsame Knirschen der Stollenreifen wechselt nun in surrendes Hochgeschwindigkeitsrauschen, da sich der Weg das wilde und romantische Gaistal hinunter windet. Die Strapazen der Auffahrt sind vergessen und der Kopf wird durch den Fahrtwind angenehm gekühlt. Um weiterer Überhitzung vorzubeugen, werden die Flußfurten in angemessenem Tempo durchgeführt. Besser als jede Dusche!

- Ganzkörperdusche mit Spaßfaktor, Foto: Martin Böhm -

- Ganzkörperdusche mit Spaßfaktor, Foto: Martin Böhm -

Vorbei am Wetterstein und an der Mieminger Kette, folgen wir einer mit Trails gespickten Strecke nach Seefeld. Tellerweise erliegen wir den Versuchungen in Form von Rahmschnitzel, Salaten und Nudeln. Durch einige Regentropfen hindurch bleibt der Blick am Mountainbike hängen. Eigentlich steht es auf dem Parkplatz ziemlich gut, aber das Etappenziel auf 1765 m liegt noch einige Kilometer und hunderte Höhenmeter entfernt. Da es von Bike Tirol ein GPS basiertes Rennen gibt, werden die kleinen Navigationshelfer nun gestartet und bis zum Karwendelhaus auf Zeit gefahren. Gut, dass ich auch zum Fotografieren hier bin und eine super Ausrede habe, um hin und wieder eine Entspannungspause einzulegen …

Mitten im Karwendel

Nach einigen Stunden schiebt sich das an die steilen Flanken der umliegenden Berge gebaute Karwendelhaus ins Blickfeld. Oben angekommen beziehen wir die urgemütlichen Zimmer und genießen das Berghütten-Flair. Als isotonische Flüssigkeit müssen einige Weißbier herhalten und es steht der wohlverdienten Nachtruhe nichts mehr im Wege. Voller Tatendrang und mit ausgeruhter Beinmuskulatur geht es tags darauf auf den 800 Höhenmeter Downhill ins Engtal. Zwei Fahrvarianten sind möglich: ein Singletrail mit technischen Passagen oder eine breite Schotterstrecke für die Geschwindigkeitsliebhaber. Die Bremsscheiben werden heiß und die Federung hat einiges an Arbeit zu leisten. Durch die wundervolle Bergwelt abgelenkt, fällt die Auffahrt Richtung Plumsjoch relativ leicht. Allerdings scheint das Wetter heute gegen Überhitzung der Radler vorbeugen zu wollen und es gibt eine zweistündige Dauerdusche aus dunklen Wolken. Der Hüttenwirt am Pass nimmt es gelassen und feuert den Ofen an. Hier lassen sich die nassen Klamotten trocknen und die Energiespeicher wieder mit Kohlehydraten und sonstigen Leckereien füllen.

- Breite "Waldautobahn", Foto: Martin Böhm -

- Breite "Waldautobahn", Foto: Martin Böhm -

Abwärts!

Wir lassen uns Zeit, und für die folgende steile Abfahrt hat sich das Wetter wieder beruhigt. Das Downhill-Highlight kann beginnen. Ein erster Blick die Bergflanke hinunter: Das wird ein Spaß! Serpentine an Serpentine schraubt sich der Weg in die Tiefe. Jetzt wünsche ich mir mein Bionicon Mountainbike mit per Knopfdruck einstellbarem Fahrwerk. Das steht leider zu Hause, aber das Leihfahrrad ist auch ganz gut in Schuss und somit gibts nur eins: Sattel absenken, nicht die Konzentration verlieren und aufpassen, dass die Mundwinkel nicht in der Dauergrinsestellung festwachsen. Noch ganz benommen von der rauschenden Talfahrt gehts direkt an den Achensee. Gemütlich lassen wir die Eindrücke der letzten Tage im Entspannungsbereich des Hotels Revue passieren und kommen zum einstimmigen Fazit: Der Tourismus-Verband Tirol hat nicht zu viel versprochen: wirklich ein grandioses Mountainbike Gebiet!

- Downhill, Foto: Martin Böhm -

- Downhill, Foto: Martin Böhm -

Fakten zur Strecke:

Erster Tag
Streckenlänge: 58 km
Höchster Punkt: 1765 m (Karwendel Haus)
Höhenmeter aufwärts: 1791 m
Höhenmeter abwärts: 1024 m
Benötigte Zeit: 6,5 Stunden
Schwierigkeitsgrad: 2 Mittel, sportlicher Mountainbiker
Asphaltierte Straße: 0,4 %
Single Trails: 27,7 %
Schotterstraßen: 71,9 %

Zweiter Tag
Länge: 42 km
Höchster Punkt: 1805 m
Höhenmeter aufwärts: 1050 m
Höhenmeter abwärts: 1881 m
Benötigte Zeit: 4,5 Stunden
Schwierigkeit: 3 Schwer, geübte Biker
Single Trails: 26,2 %
Schotterstraßen: 73,8 %

Informationen
Bike Tirol: www.bike.tirol.at
Erste Übernachtung: www.cube-biberwier.at
Zweite Übernachtung: www.karwendelhaus.com
Dritte Übernachtung: www.wiesenhof.at

Text und Fotos: Martin Böhm

Martin Böhm hat Geographie studiert und ist seit Jahren in der Outdoor-Branche im Bereich Marketing tätig. Informationen gibt es auf seinem privaten Blog www.fairoutdoor.de und seiner Internetseite www.visufix.de.

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